Aus dem Bodenablauf läuft Wasser zurück. Im Keller bildet sich eine Pfütze. Was Sie jetzt tun, hat oft mehr Einfluss auf den Schaden als die schnellste Anfahrt eines Notdienstes. Hier die Schritte, die wir an der Hotline immer durchgeben.
Warum es jetzt schnell gehen muss
Wenn Wasser aus dem Bodenablauf oder aus der Toilette zurück ins Haus läuft, ist die Verstopfung selten dort, wo Sie hinschauen. Sie sitzt weiter unten. In der Grundleitung, manchmal erst draußen am Anschluss zur Straße. Das heißt: Solange das Wasser nicht abfließen kann, läuft jeder Liter, der oben ins System geht, irgendwo unten wieder raus.
Bei uns klingelt das Telefon meistens dann, wenn schon ein paar Zentimeter im Keller stehen. Dabei sind die ersten 15 Minuten wichtiger als die Anfahrtszeit. Was Sie in der Zeit machen, lässt sich kaum nachholen.
Erstens: Wasser stoppen
Klingt banal, wird aber oft vergessen. Solange irgendwo im Haus Wasser ins Rohrsystem läuft, baut sich der Druck weiter auf.
Drehen Sie alles zu, was Wasser zieht. Spülmaschine aus. Waschmaschine aus. Toilette nicht spülen. Wenn Sie wissen, wo der Hauptwasserhahn ist und er erreichbar ist: zudrehen. Den finden Sie meistens im Keller, manchmal im Hauswirtschaftsraum. Bei Mietwohnungen sitzt der oft im Treppenhaus oder in einem Kasten neben der Wohnungstür.
Wenn Sie ihn nicht finden: zur Not der Hausverwaltung anrufen. Oder dem Vermieter. Die müssen das wissen.
Zweitens: Strom aus, wo Wasser hinkommt
Das ist der Punkt, der unterschätzt wird. Eine Steckdose, die unter Wasser kommt, ist lebensgefährlich. Nicht später – sofort.
Wenn Sie nicht genau wissen, welche Sicherung welchen Raum versorgt, schalten Sie den Hauptschalter. Lieber eine Stunde kein Strom als ein Stromschlag im Wasser. Der Kühlschrank überlebt eine Stunde ohne Strom problemlos.
Eine Sache, die viele nicht wissen: Im Sicherungskasten gibt es meistens drei Schalter ganz oben. Einer davon ist der Hauptschalter, der alles abschaltet. Wenn Sie unsicher sind, welcher der richtige ist: alle drei abschalten.
Drittens: Wertvolles raus, Türen zu
Solange das Wasser nicht abfließt, hat Aufwischen keinen Sinn. Sie schöpfen aus einem Eimer, der weiter vollläuft.
Sinnvoller in der Zwischenzeit:
- Türen zu trockenen Räumen schließen
- Handtücher oder alte Decken davor legen, damit das Wasser nicht weiter wandert
- Was an wertvollen Sachen im betroffenen Bereich steht, hochstellen oder rausbringen
- Wenn Sie einen Nasssauger haben: einsetzen, sobald der Zufluss gestoppt ist
Wenn Wasser in Möbel, Teppiche oder Polster gelaufen ist: nicht versuchen, das selbst zu trocknen. Heizlüfter und offene Fenster trocknen nur die Oberfläche. Was darunter ist, schimmelt dann in zwei Wochen. Das macht später der Sanierer, wenn der Schaden ohnehin aufgenommen wird.
Viertens: Fotos machen, bevor Sie irgendwas anfassen
Bevor Sie aufwischen oder Möbel verschieben: Telefon raus, fotografieren. Wasserstand, Boden, betroffene Möbel, alles. Auch mal von weiter weg, damit man das ganze Ausmaß sieht.
Das wird wichtig, wenn die Versicherung den Schaden bewerten soll. Wer hinterher erklärt, wie schlimm es war, ohne Fotos zu haben, bekommt oft weniger ersetzt als jemand, der drei Bilder vom Wasserstand vorzeigt.
Eine Sache am Rande, weil sie immer wieder Ärger macht: Die Versicherung darf Ihnen keinen bestimmten Notdienst vorschreiben. Wenn die Hotline sagt „wir schicken Ihnen jemanden“, können Sie das ablehnen. Sie wählen, wen Sie anrufen.
Fünftens: Notdienst rufen – und worauf achten
Erst wenn die anderen Schritte laufen, geht es ans Telefon.
Was Sie am Telefon klären sollten: Wann kommt jemand und was kostet es. Beides muss vorab gesagt werden können. Wer am Telefon sagt „können wir vor Ort sehen“, meint meistens „kostet, was wir vor Ort wollen“.
Anfahrtszeiten im Rhein-Main-Gebiet liegen normalerweise zwischen 45 und 90 Minuten. Wenn jemand „in zwei bis drei Stunden“ sagt und das ist der einzige verfügbare: dann fragen Sie nochmal nach, ob die das wirklich noch als Notdienst rechnen. Manche tun das.
Was Sie auf gar keinen Fall tun sollten
Zwei Sachen, die wir immer wieder erleben:
Chemische Rohrreiniger einkippen.
Bei einer normalen Spülbecken-Verstopfung mögen die manchmal funktionieren. Bei dem, was Sie gerade haben – nämlich Wasser, das zurückläuft – helfen sie nicht. Sie machen das Problem chemisch giftig, ohne den Pfropf zu lösen. Wenn unsere Techniker dann ans Rohr müssen, müssen sie zusätzlich mit Lauge oder Säure arbeiten, die jemand vor ihnen reingeschüttet hat.
Den Schacht draußen öffnen.
Wenn Sie einen Schachtdeckel im Garten oder vor dem Haus haben und in der Hoffnung, dort den Verschluss zu finden, den Deckel anheben: lassen Sie das bitte. In einer verstopften Grundleitung kann sich Druck aufbauen. Wir hatten Fälle, in denen jemand beim Aufheben durchnässt und mit dem Fuß im Schmutzwasser stand. Davon abgesehen: Sie sehen ohne Kamera nicht, wo es klemmt.
Wann es wirklich kritisch wird
Es gibt ein paar Situationen, in denen die übliche Vorgehensweise nicht reicht und wir mit Spülwagen statt mit der einfachen Spirale anrücken müssen:
Wenn aus mehreren Abflüssen gleichzeitig Wasser zurückkommt – also etwa aus der Dusche im Keller und gleichzeitig aus der Waschmaschine –, sitzt das Problem in der Grundleitung. Das ist nichts, was sich mit einer Saugglocke beheben lässt.
Wenn statt klarem Wasser braunes oder dunkles Wasser kommt: Das ist Abwasser aus der Kanalisation. Heißt: das Problem ist außerhalb des Hauses. Wahrscheinlich Wurzeleinwuchs oder ein Rückstau im öffentlichen Kanal.
Wenn es nach Faulgas riecht oder die Wohnung anfängt streng zu riechen, während das Wasser steht: Lüften und alle nicht betroffenen Räume schließen. Faulgas aus dem Kanal ist nicht schön, aber in kleinen Konzentrationen erstmal nicht akut gefährlich. Sobald wir vor Ort sind, läuft das mit der Kameradiagnose.
Was Sie nach dem Notfall mit dem Klempner besprechen sollten
Wenn der Schaden behoben ist, der Boden wieder trocken und die Versicherung benachrichtigt: Lassen Sie einmal jemand mit der Kamera durch die Grundleitung fahren. Eine Inspektion kostet bei uns rund 220 Euro und liefert ein Video, das zeigt, wo es geklemmt hat und ob da noch was im Anflug ist.
Bei älteren Häusern – alles vor 1970 ungefähr – sind die Grundleitungen meistens noch aus Steinzeug. Das Material ist eigentlich gut, aber an den Verbindungsstellen wachsen Baumwurzeln rein. Wenn Sie das einmal hatten, kommt es wieder. Manchmal nach einem Jahr, manchmal nach fünf.
Ob sich eine Sanierung lohnt oder ob eine regelmäßige Spülung alle zwei bis drei Jahre reicht, hängt davon ab, was die Kamera zeigt. Bei uns gibt es beide Wege als Festpreis. Was wir nicht machen: zu Sanierungen drängen, die nicht nötig sind.


